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Der Niederrhein und „Die Einsamkeit der Schuldigen"

Foto von Nienke Jos

MUSEUM Die Veranstaltungsreihe „Literaturlesungen im Museum" wird fortgesetzt und als Matinee sonntagvormittags im Museum präsentiert. Auftakt der Reihe mit der Buchhandlung am Markt, ist am Sonntag, 10. September um 11.30 Uhr die Lesung mit der Autorin Nienke Jos. Tickets kosten 10 Euro pro Stück, der Ticketpreis beinhaltet zeitgleich den Eintritt ins Museum. Die Besucherzahl ist begrenzt, daher empfehlen die Veranstalter, Karten rechtzeitig im Vorverkauf zu erwerben. Es gibt sie bei der Kultourbühne im Rathaus (E-Mail-Adresse: kultourbuehne@goch.de, Telefonnummer 02823 320202), bei der Buchhandlung am Markt und online bei www.goch.de.

Nienke Jos wird 1980 am Niederrhein als jüngste von vier Mädchen geboren, wächst an der niederländischen Grenze auf. Das Fahrradfahren lernt sie entlang der Niers, das Schlittschuhlaufen auf den zugefrorenen Feldern und dem Weiher rund um das Schloss Wissen. Frei sei sie gewesen, sagt sie, das flache Land inspiriere sie bis heute, schaut man doch schon in die Welt hinaus, wenn man nur den Kopf anhebt.

Wir können schon verraten, es wird nicht nur eine Lesung, sondern ein ‚Leseerlebnis'. Eine Komposition aus Lesung, die Kurt Kühl übernehmen wird, und einem spannenden Dialog mit Nienke Jos, die uns viele interessante Hintergrundinformationen über das Buch, deren Geschichte und Protagonisten erzählt. Die „Einsamkeit der Schuldigen" wurde als Taschenbuch auf der Leipziger Buchmesse im März vorgestellt und gilt als eines der vielversprechendsten Neuerscheinungen in 2017.

Wir stellen fest: Nienke Jos' Psychothriller kein Roman für die Badewanne bei Kerzenschein, Rotwein oder Kakao ist. Manche Szenen seien so klar in ihrer Darstellung, dass man Mut brauche. Mut zum Schreiben, Mut zum Lesen und erst recht Mut, nichts davon wegzustreichen. Einer der Gründe, warum Nienke Jos keine Agentur und keinen Verlag im Rücken hat. „Dass ich nicht nur andeute, sondern ausschreibe, kann ich keinem Verlag zumuten, nur mir selbst." Warum sie es notwendig findet, so drastisch zu schreiben, fragen wir. Ihre Antwort kommt schnell: „Weil nur dann die Geschmacklosigkeit der menschlichen Abgründe in Erscheinung tritt. Kein gesunder Mensch sollte sich vorstellen können, wie unübersichtlich die Gefühle und Gedanken sind, wie tief die Kluft zwischen Schuld und Selbstverständnis klafft, wie groß das Ausmaß der Abartigkeit ist, die einen solchen Menschen begleitet." „Warum können Sie das?", fragen wir kritisch. Nienke Jos grinst: „Autoren können das, ihre Phantasie ist praktisch grenzenlos." Und sie fügt beruhigend hinzu: „Teil II wird ruhiger."

Ob wir das wünschen? Ob wir nicht genau das noch einmal wollen? Wir geben uns damit zufrieden, freuen uns auf Teil II, freuen uns auf weitere Bücher, und dass der Niederrhein so plötzlich eine Autorin hervorgebracht hat.

Weitere Literaturlesungen sind am 05. November, „Alte Bücherschätze neu entdeckt - Herbstfundstücke aus dem Bücherregal" mit der Literaturwissenschaftlerin Renate Schmitz-Gebel und "Ausstieg aus dem Leben"; 12. November mit Konja Simon Rhode zum Thema: Ausstieg bei den Zeugen Jehovas.

(Meldung vom 10.08.2017 / mr)