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Aleidis Raiscop

Darstellung Aleydis Raiscop am Schreibtisch sitzend

Aleidis Raiscop erblickte 1449 in Goch das Licht der Welt. Sie wird vermutlich als Kind bereits in der Gocher Lateinschule die lateinische Sprache erlernt haben. Es ist aber auch möglich, dass Aleidis Raiscop die Sprache an der von ihrem Großonkel Dr. Heinrich Raiscop gestifteten Uedemer Lateinschule erlernt hatte. Aleidis Raiscop war Schülerin beim Bruder Benediktus von Maria Laach und ging mit 16 Jahren in das Kloster Hagenbusch bei Xanten. 1467 wechselte sie als gelehrte Schulmeisterin ins Kloster Rolandswerth (heute Nonnenwerth). Die Benediktinerin verfasste sieben lateinische Homilien (Predigten über Abschnitte der Heiligen Schrift) über den heiligen Paulus, übertrug ein deutsches Werk über die heilige Messe ins Lateinische und erlangte im Kloster Rolandswerth (heute Nonnenwerth) als humanistische Schriftstellerin Berühmtheit. Ihre besondere Begabung waren Übersetzungen in höchster Perfektion aus dem Deutschen ins Lateinische. Sie starb am 15. Dezember 1507 im Kloster Nonnenwerth.

Der wichtigste humanistische Freund war Johannes Butzbach, von dem Aleidis – wie auch von anderen – großes Lob erntete. Er widmete ihr sein 1505 geschriebenes Werk „De illustribus mulieribus“ (Über berühmte Frauen) und verglich sie in seinem Schriftstellerlexikon mit anderen berühmten Benediktinerinnen wie z.B. Hildegard von Bingen.

Goch benannte 1932 zur Erinnerung an Raiscop eine Straße.

Aus dieser Gocher Familie stammten zahlreiche Geistliche, z.B. um 1419 Heinrich Raiscop, der im Vatikan das Amt eines Abbreviators in der päpstlichen Kanzlei inne hatte, oder 1455 ein Wilhelm Raiscop, der Kanonikus in Kleve war. Von 1484 bis 1511 war ein Gerardus Raiscop Mönch bei den Kartäusern in Wesel.

Ein Familienzweig der Raiscops lebte in Uedem. Ein Dr. Heinrich Raiscop  war 1445 Propst am Marienstift zu Utrecht und ließ sein verfallenes Haus an der Viehstraße in Uedem als Spital einrichten. 1446 errichtete er ein zweites Haus als Lateinschule für zwölf Knaben. 1452 gab Dr. Heinrich Raiscop einen Teil des Spitalsgebäudes für das Kloster der Augustiner aus Gaesdonck her.

Literaturhinweise:
Hennes, Prof. Dr. Das Kloster Nonnenwerth. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 21, 1870, S. 71-81.
Kossert, Karl. Aleydis Raiscop - Die Humanistin von Nonnenwerth. Gocher Schriften 6, o. J.
Kossert, Dr. Karl. Die elf Distichen des Jakob Siberte auf die Nonne Aleydis Raiscop. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1982, S. 132-134.
Vleugel, Clara van der. „Wer war Raiscop?“ In: An Niers und Kendel, Heft 5/1981, S. 20.