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Leni Valk (28.9.1933-21.5.1943)

Fotografie der Leni Valk

Magdalena (Leni) lebte bei ihren Eltern Walter und Erna Valk in der Brückenstraße (im heutigen Sparkassengebäude). Ihrem Vater gehörte seit 1930 das Spezialgeschäft für Herren-und Knabenbekleidung am Marktplatz. 1938 wünschte sich Leni in den Kindergarten zu kommen, wo sie ein Kind unter anderen Kindern sein konnte. Doch eine Gocherin wollte nicht, dass ihre Kinder mit jüdischen Kindern spielt. Im fünften Lebensjahr begann nach jüdischer Tradition die Schulzeit. Doch Leni konnte in Goch nicht mehr die jüdische Schule besuchen, weil schon ihre Mutter an der längst geschlossenen jüdischen Gocher Schule die einzige Schülerin war. Die einklassige Schule befand sich vor der Synagoge an der Herzogenstraße.

Leni und ihre Mutter erlebten am 9. November 1938 die Pogromnacht. Sie sahen die Flammen der brennenden Synagoge. Leni weinte, als Männer der SA und SS in die elterliche Wohnung stürzten. Sie durchsuchten die Wohnung. Selbst Lenis Puppenwagen stellten sie auf den Kopf. Am 10. November wurde Lenis Vater verhaftet und ins Gocher, später ins Klever Gefängnis gebracht. Vier Tage später wurde er ins Konzentrationslager nach Dachau transportiert, aus dem er Monate später wieder entlassen wurde. Das Leben für Leni wurde immer schwieriger. Am 15. November verkündete das NS-Regime, dass jüdische Kinder keine öffentlichen Schulen mehr besuchen durften. Lenis Mutter fasste daher im Dezember den Entschluss Leni zu ihrem Onkel nach Holland zu schicken. Ein Freund brachte Leni über die niederländische Grenze nach Boxmeer. Dort kaufte er eine Fahrkarte nach Leeuwarden, gab ihr diese in die Hand und hängte ein Schild um Lenis Hals mit der Aufschrift: „Bitte helft dem Kind. Zielort: Leeuwarden.“ Nach langer Zugfahrt kam Leni bei ihrem Onkel an.

Die Flucht aus Goch schützte Leni unter anderem vor der nationalsozialistischen Verordnung, dass alle jüdischen Mädchen und Frauen den Namen „Sara“ als Ergänzung zu ihrem Vornamen erhalten mussten. Mit sechs Jahren ging Leni 1939 zunächst auf eine jüdische, dann auf eine niederländische Schule. Sie schickte ihren Eltern Briefe, die sie in Niederländisch schrieb. In einem Brief schrieb Tante Herta aus Holland 1941 nach Goch: „Leni hilft uns über die Trübsal hinweg. Ihre sonnige Natur sieht natürlich noch keine Schwierigkeiten, ... Gestern hatte Leni einen besonders guten Tag: 1. mittags als Auffüllung Kartoffelpfannkuchen, 2. nachmittags Religionsstunde, die sie besonders liebt, 3. abends Steckrüben, die sie als eines ihrer Leibgerichte angibt. Also an einem Tag dreimal geboft“ (=Glück gehabt).

Leni erfuhr nicht mehr, dass ihre Eltern am 10. Dezember 1941 deportiert wurden. Über Krefeld-Düsseldorf wurden sie per Zug ins Lager Riga gebracht, wo ihre dreieinhalb Jahre dauernden Leidenswege begannen. Leni lebte 1942 immer noch im Schutze ihres Onkels und ihrer Tante in Leeuwarden. Doch wie in Deutschland, so mussten auch alle Juden in den Niederlanden Judensterne tragen. Am 15. Mai 1943 musste Leni zusammen mit ihren Verwandten und den anderen Leeuwardener Juden ins niederländische Lager Westerbroek, um von dort ins Lager Sobibor in Polen gebracht zu werden. Unschuldig wurde sie mit tausend anderen in diesem Vernichtungslager ermordet. Ihre Eltern erfuhren nach ihrer Rückkehr aus den Konzentrationslagern vom Tod ihrer in Sicherheit geglaubten Tochter Leni.

Literaturhinweise:
Puyn, Alois. Gedächtnis und Mahnung, Magdalena Valk aus Goch starb als Neunjährige in den Gaskammern. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1983, S. 43-45.Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Leni-Valk-Realschule Goch 1966-1991.